Bildungswerkstatt Bergwald
Reitweg 7
3600 Thun

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Die soziale und kulturelle Herausforderung

Romantische Vorstellungen vom Bergleben

Die Beziehung der meisten jungen Menschen zu unserem Berggebiet beschränkt sich auf Erfahrungen als Tourist und Landschaftskonsument, meist im Zusammenhang mit Ferien und Sport. Was es heisst, in den Bergen zu leben oder gar diese Landschaft zu pflegen, nachhaltig zu nutzen und die Dörfer und Anlagen vor Naturgefahren zu schützen, können sich Tal- und Stadtbewohner kaum vorstellen. Und von der Kultur der Bergler haben sie höchstens romantische Vorstellungen aus Filmen.

Den wenigen verbliebenen Bergbewohnern, die sich um diese anspruchsvollen Aufgaben im Berggebiet kümmern, stehen Millionen aus ganz Europa gegenüber, die erwarten, dass an Wochenenden und in den Ferien all die Angebote bereit stehen samt einer intakten und gesicherten Erholungslandschaft.

Unsere sozio-kulturellen Ziele

Stadt und Land - Berg und Tal begegnen sich in der Arbeit

Durch den Verlust der gegenseitigen Wahrnehmung droht eine Entsolidarisierung, die nur durch aktive Begegnung aufzuhalten ist.
Beim Arbeiten in den Bergwäldern und Alpgebieten, für Wald- und Alpbesitzer und Dörfer, machen die Jugendlichen ganz neue Erfahrungen: sie begegnen Forstleuten, Bergbauern und Gemeindevertretern, mit denen sie fachsimpeln, Sprüche klopfen oder auch ernsthafte Gespräche führen und sie spüren, dass ihr Einsatz gebraucht und dankbar entgegen genommen wird. Ergänzt durch das Wohnen der Gruppen im Dorf, durch Besichtigungen und Abendveranstaltungen mit Einheimischen, wird der Einblick in die Lebensweise im Berggebiet vertieft - es entsteht ein sozio - kultureller Austausch, den wir in der BWBW gezielt fördern.

Solidarität und Gemeinsinn entwickeln  -  und Wurzeln schlagen

Aus den Werkbüchern und Berichten der Jugendlichen, aber auch aus Rückmeldungen von Eltern und Lehrkräften geht regelmässig hervor, dass die jungen Menschen stolz sind, etwas Nützliches für andere geleistet zu haben. Manche Arbeiten im Bergwald weisen sogar auch zeitlich über das eigene Leben hinaus, leisten ein Beitrag zu den Lebensgrundlagen kommender Generationen. Das weitet den Blick, macht Nachhaltigkeit und Solidarität konkret fassbar.
Nicht selten erreichen uns Berichte, die beweisen, dass Jugendliche oft schon bald mit Freunden und Eltern wieder an den Orten ihres Handelns aufgetaucht sind, um ihnen die Spuren ihres Wirkens zu zeigen - den selbst gebauten Wanderweg, die erneuerte Wasserleitung für die Alp, den mühsam gepflegten Jungwald oder gar die hoch oben an der Waldgrenze aufgestellten Verbauungswerke gegen Gleitschnee oder Steinschlag. - Sie haben Wurzeln geschlagen und sind zugleich über sich selber hinausgewachsen. Das zeigt eindrücklich, wie auch heutige Jugendliche im Innern nicht nur Fun und Eigennutz suchen, sondern im Grunde grosse Idealisten sind, die sich für diese Welt einsetzen wollen!
Es ist an uns Erwachsenen, ihnen Gelegenheit zu geben, die "nützliche Erfahrung zu machen, nützlich zu sein". (Zit H. Hentig, 2006: "Bewährung" Hanser). Die BWBW ist bestrebt, so viele derartige Gelegenheiten wie möglich zu schaffen.

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